Schwarze Lacke

Das Wassermannsloch oder die „Schwarze Lacke“

Das zwischen den Ortschaften Hieflau und Eisenerz gelegene Wassermannsloch ist die bedeutendste Karstquelle im Südwesten des Hochschwabmassivs. Der wohl seit sehr langer Zeit bekannte, zeitweise sehr starke Quellaustritt erweckte bereits 1747 erstes höhlenkundliches Interesse. Der Gesandte des Kaisers, Joseph Anton Nagel, untersuchte das  Karstobjekt und verfasste eine Handschrift darüber. Mit einer Gesamtlänge von 1.084 m stellt das Wassermannsloch die zurzeit längste hinter einem permanenten Siphon vermessene Höhle Österreichs dar.
Die schwarze Lacke oder Wassermannsloch ist zentraler Schauplatz der Wassermannsage, ein Märchen über die Auffindung des Erzberg.

Die Wassermannsage

Vor langer Zeit, als es in Eisenerz noch keinen Erzberg gab und die Leute noch Bauern und Holzknechte waren, da lebte in der Nähe vom Leopoldsteinersee ein Wassermann.
Als Behausung diente ihm die " Schwarze Lacke ", eine tiefe Felshöhle aus der auch heute noch das scheinbar dunkelgrüne Wasser des Leopoldsteinersees wieder ans Tageslicht strömt und in den vorbeifließenden Erzbach mündet.

Der Wassermann tat niemanden etwas zuleide und zeigte sich äußerst selten. Ja man könnte sagen, dass er sehr scheu war und den neugierigen Blicken der Menschen so gut es ging auswich.

So erzählte man sich in " Innerberg ", wie Eisenerz damals hieß, viele schaurige Geschichten über den Wassermann, obwohl ihn während der letzten Jahrhunderte kaum einer zu Angesicht bekommen hatte.

Aber die Neugierde wuchs, und  immer wieder spukte dieses unheimliche Wesen in den Köpfen der Leute herum.
So vergingen viele Jahre, ohne dass jemand den Mut aufbrachte, den Wassermann zu fangen.

Schließlich fand sich doch noch eine kleine Anzahl von " gstandenen Mannsbildern ", die beherzt überlegten, wie man den Wassermann ins Netz kriegen könnte.

Einer von Ihnen gab zu bedenken, dass dieser Koloß wahrscheinlich sehr glitschig sei und außerdem sicher überdurchschnittlich große Kräfte habe.

Nach langer Beratungszeit und unzähligen Streitgesprächen einigten sich die Männer, den Wassermann zu überlisten.

An einem sonnigen Frühlingstag schlichen sie sich zur " Schwarzen Lacke", einer Quelle, die am Fuße einer steilen Felswand aus dem Berg entsprang.

Mitgebracht hatten Sie Wein, Kuchen und einen Mantel, der an der Innenseite mit Pech beschmiert war.

All diese Dinge legten Sie vor die mit Wasser gefüllte Höhle und versteckten sich hinter einem großen Felsbrocken.

Wenn man sich vorstellt, dass so ein Wassermann seit Hunderten von Jahren nur Fisch gegessen und nur das quellfrische Wasser des Leopoldsteinersees getrunken hatte, dann kann man es ihm sicher nicht verdenken, dass er sich voll Freude und alle Vorsicht vergessend auf den Wein und den Kuchen stürzte. Auch der Mantel erweckte seine Neugierde, und er probierte ihn ohne Zögern an.

Freilich war der Wassermann das Trinken von Alkohol nicht gewohnt,  und so schlief er bald betrunken und mit vollem Bauch vor seiner Behausung ein.

Nun nahmen die Männer allen Mut zusammen und stürzten mit einem Netz auf den Wassermann. Dieser konnte sich im Mantel sehr schlecht bewegen und hatte keine Chance zu entrinnen.

Der Wassermann bettelte und wimmerte, sie sollten ihn doch laufen lassen, doch die Männer wollten ihren seltsamen Fang allen Bewohnern im nahen Eisenerz präsentieren.

Als sie aber an jene Stelle kamen, an der man heute von Hieflau kommend das erste Mal den Erzberg erblickt,  begann der Wassermann in seiner Not mit den kräftigen Burschen zu verhandeln.
"Wenn ihr mir die Freiheit wiedergebt, soll es euer Schaden nicht sein! Wählet selbst:

Ich biete euch Gold für zehn Jahr, Silber für 100 Jahr oder Eisen auf  immerdar! " 

Die Männer überlegten nicht lange und entschieden sich für das Eisen.
Der Wassermann erhob seine Hand und zeigte auf den hohen, bewaldeten Hügel vor dem Eisenerzer Reichenstein und versprach, dass in diesem Berg das Eisen zu finden sei.

Der Wassermann hat sein Versprechen gehalten. Das Eisen brachte den Leuten Wohlstand. Der Erzberg wurde über die Grenzen von Eisenerz  hinaus zum " Steirischen Brotlaib ".